Die Idee der „Tafeln“ entstand Anfang der 1990er-Jahre in New York. Ziel war es, überschüssige, aber noch einwandfreie Lebensmittel vor der Vernichtung zu bewahren und sie gleichzeitig bedürftigen Menschen zugänglich zu machen. Dieses doppelte Anliegen – soziale Hilfe und verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen – wurde 1993 auch in Deutschland aufgegriffen und fand 1998 schließlich in Siegen konkrete Umsetzung. Die zunehmende Zahl hilfebedürftiger Menschen war auch den Mitgliedern der Bürgerbusvereine im Siegerland nicht entgangen. Viele Fahrgäste berichteten von finanziellen Schwierigkeiten und sozialen Belastungen. Für Achim Walder, damals Vorsitzender des Bürgerbus Kreuztal und des Bürgerbus Bad Laasphe, war klar, dass Mobilität allein nicht ausreicht – auch soziale Unterstützung gehört zu einer verantwortungsvollen Bürgergesellschaft. Im Unterschied zu den Ballungsräumen an Rhein und Ruhr stellte sich die Einrichtung einer Tafel im ländlich geprägten Siegerland als besondere Herausforderung dar. Eine zentrale Ausgabestelle in der Stadt Siegen, die zudem mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur eingeschränkt erreichbar war, erschien nicht sinnvoll. Stattdessen wurde frühzeitig eine dezentrale Struktur angestrebt, um Menschen in verschiedenen Kommunen besser zu erreichen. Gespräche mit den Sozialämtern der Region führten schließlich zur Entwicklung des Konzepts der „Siegerländer Tafeln“. In der Stadt Siegen traf Achim Walder auf Anne Schäfer, die unabhängig voneinander eine ähnliche Initiative plante. Gemeinsam entwickelten sie ein tragfähiges Gründungskonzept. Die Schirmherrschaft übernahm Landrat Walter Nienhagen, der das Projekt auch finanziell unterstützte. Anne Schäfer und Achim Walder fungierten als Sprecher der Initiative. Rasch fanden sich zahlreiche engagierte Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die bereit waren, Verantwortung zu übernehmen. Mit Hilfe eines geförderten Kleintransporters konnten Lebensmittel bei Supermärkten, Bäckereien und weiteren Geschäften der Region eingesammelt werden. Der erste stationäre Ausgabepunkt wurde in Weidenau in der Herrenwiese eingerichtet. Das Gelände stellte das Diakonische Werk kostenlos zur Verfügung. Bedürftige Gäste zahlten symbolisch eine Deutsche Mark und wurden von rund 50 bis 60 Ehrenamtlichen betreut und versorgt. Im Laufe der Zeit entwickelte sich aus der Initiative ein stabiles Netzwerk mit weiteren Stützpunkten, unter anderem in Netphen, Kreuztal und anderen Kommunen der Region. Die dezentrale Struktur erleichterte den Zugang und stärkte zugleich die lokale Verankerung der Hilfeangebote. Nach zwei Jahren zog sich Achim Walder aus der aktiven Leitungsfunktion zurück, um sich wieder verstärkt seinen verkehrs- und mobilitätspolitischen Projekten zu widmen. Die Mitbegründung der Siegerländer Tafel bleibt jedoch ein bedeutender Beitrag seines sozialen Engagements – als Zeichen dafür, dass nachhaltige Mobilität und soziale Verantwortung untrennbar miteinander verbunden sind.
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