Ein Querdenker zieht Bilanz

40 Jahre ehrenamtliche Arbeit für Verkehr und die Region

Wurde vor 40 Jahren bei der Entwicklung und Realisierung von neuen Verkehrskonzepten noch wenig Rücksicht auf die Umwelt genommen, so müssen sich heute alle aktuellen Verkehrsplanungen an ihren Auswirkungen auf Natur und Umwelt messen lassen. In der Region Siegen-Wittgenstein – Olpe waren die Bürger, Pendler und Radfahrer mit einem Angebot konfrontiert, das noch an die Vorkriegszeit erinnerte: keine Radwege, nicht aufeinander abgestimmte Fahrpläne, keine Verbundfahrkarten. Hier gab es viel zu tun.
Zum Studium kam Achim Walder aus der Bundeshauptstadt Bonn nach Siegen und wollte sich nicht mit den offensichtigen Defiziten abfinden. Herüber diskutierte er schon damals mit dem zukünftigen Landrat Paul Breuer, der die Probleme als nicht so wichtig ansah, beim Grillen im Garten.
Mit viel Erfolg gründete Achim Walder 1980 die Interessenvertretung der Bus- und Bahnbenutzer Südwestfalen, ein Vorläufer des heutigen Fahrgastbeirats der VGWS, an der auch Dr. Schaldach von der VWS, Landrat Walter Nienhagen und Günter Padt, damals tätig für die Deutsche Bundesbahn, regelmäßig teilnahmen.
Für den Radverkehr fanden sich Aktive in der Fahrradinitiative Kreuztal-Hilchenbach. Diese versuchte bessere Bedingungen für Radfahrer in Kreuztal und Hilchenbach zu erreichen. Einige Vorschläge wurden nach Radtouren mit Ratsmitgliedern auch verwirklicht.
1993 erfolgte die Gründung des VCD-Kreisverbandes Siegen-Wittgenstein-Olpe durch Achim Walder, bis heute Vorsitzender. Kurz darauf wurde Achim Walder auch in den VCD-Landesvorstand (20 Jahre) und Bundesvorstand (2 Jahre) gewählt.
An der UNI-Siegen konstituierte sich 1995 auf Initiative von Achim Walder der Arbeitskreis-Verkehr der UNI-Siegen, in dem Hochschulprofessoren, Angestellte, Studenten und Politiker von Stadt und Kreis mitarbeiteten. Für die täglichen Probleme mit dem vielen Autoverkehr am Haardter Berg waren Lösungen dringend erforderlich. Die Verwaltung setzte auf mehr Parkhäuser und Parkflächen auf Gehwegen bis zur Schallschutzmauer an der Hochschulstraße. Nach einer AK-UNI-Umfrage mit 15.000 Rückmeldungen wurde das Semesterticket gegen den Widerstand und mit Hilfe des Landesverkehrsministeriums eingeführt. Es folgten die Einrichtung von Frauenparkplätzen, neue Linienwege der Busse zum Haardter Berg mit neuen Haltestellen. Eine Mitfahr- und Pendlerbörse hatte leider wenig Erfolg. Sponsoren wurden für 400 neue Fahrradstellplätze gefunden.
Für den BUND war Achim Walder in den Landes-Arbeitskreisen Verkehr und Umwelt tätig. In dieser Zeit wurde er mit der Durchführung einer Untersuchung zum Jobticket in Südwestfalen beauftragt.
Während der Zeit als ADFC-Kreisvorsitzender beteiligte er sich an der Vorbereitung von SiegTal Pur, der Untersuchung für eine Radstation am Bahnhof, der Untersuchung zu Radwegen und Fahrradaktionswochen an Schulen (Clara-Schumann-Schule Kreuztal). Auf Landesebene unterstütze er als Beisitzer den ADFC-NRW zwei Jahre. Ergänzend war er für weitere Verkehrs- und Fahrgastverbände, ProBahn und den Arbeitskreis Schienenverkehr Südwestfalen tätig.
Ein weiteres großes Projekt war und ist der Bürgerbus. 1997 fand die Gründungsversammlung für den Bürgerbus-Kreuztal statt. Bereits drei Monate später konnte der Bürgerbus in Kreuztal mit 15 ehrenamtlichen Fahrern den Betrieb aufnehmen. Nach diesem Beispiel folgten BB-Neunkirchen, BB-Burbach, BB-Erndtebrück, BB-Hilchenbach, BB-Finnentrop, und BB-Kirchhundem, bei deren Gründung Achim Walder intensive Unterstützung leistete. Die Vereine BB-Bad Laasphe und BB-Wenden leitete Achim Walder auch je 3 Jahre als Gründungsvorsitzender. Die Idee des Bürgerbus-Projektes verbreitete Achim Walder auch im In- und Ausland auf Vorträgen.
Für VCD-Mitglieder und Touristen war es immer eine Freude, die Bahnreisen in die Schweiz, nach Frankreich und in andere Regionen durchzuführen und Möglichkeiten aufzuzeigen ohne Auto zu reisen.
Zwei Jahre war auch Achim Walder einer von zwei Gründern und Sprechern der Siegener Tafel.
Mit dem VCD wurden Radtourenführer für Ruhr, Hellweg, Märkisches Sauerland, Rothaarbahn und BiggeseeExpess, die VCD-Wanderführer Region Bonn, Kreis Olpe, Siegen-Wittgenstein und der InterReg-Bahnreiseführer Zürich-Bozen. Achim initiierte die VCD-NRW Verkehrsforen ‚Bürgerbusse in NRW‘, ‚Nahverkehr im ländlichen Raum‘, ‚Integraler Taktfahrplan in NRW‘, ‚Verbundfahrkarten‘
Da ein großer Teil des Verkehrs den Freizeitverkehr umfasst, bildete dies den Anlass für die Durchführung mehrere VCD-NRW Tourismustage statt.
Von ihm angeregt und geleitet führte der VCD-NRW im Jahr 2000 einen Test der NRW Fahrplanbücher durch. 29 Fahrplanbücher, 24 Aushangfahrpläne und 27 Liniennetzpläne wurden auf ihre Handhabbarkeit für Fahrgäste geprüft. Mit dem ersten Platz wurden die Bochumer Verkehrsbetriebe ausgezeichnet.
Als das Internet sich immer mehr als Informationsquelle etablierte, wurden 33 Internetangebote von Verkehrsunternehmen und Zweckverbänden untersucht. Für NRW wurde die Rheinbahn in Düsseldorf auszeichnet.
Reiseziele in NRW, die gut mit Bus und Bahn zu erreichen sind, bekannt zu machen war ein besonderes Anliegen von Achim Walder. Daraus entwickelte sich die Idee für die beiden Reiseführer ‚Sehenswerte Burgen, Schlösser und Altstädte‘ und ’50 Ausflugsziele mit Bus und Bahn in NRW‘. Heute können diese VCD-Reiseführer kostenlos im Internet heruntergeladen werden.
Weitere Reiseführer entstanden mit Unterstützung verschiedener VCD-Kreisverbände und durch die Mitarbeit der VCD-Aktiven vor Ort: ‚Mal wieder wandern in Bonn und Umgebung‘ mit dem VCD-Bonn-Rhein-Sieg-Ahr, ‚Mal wieder Rad fahren im Romantischen Rheintal‘, ‚Mal wieder wandern in Siegerland-Wittgenstein‘ sowie einige weitere Rad- und Wanderführer.
Mit dem VCD-NRW veröffentlichte Achim Fachliteratur zu verschiedenen Themen: ‚Sanfter Tourismus‘, ‚AnrufSammelTaxi‘, ‚BürgerBusse‘, ‚SemesterTicket‘, ‚Güterverkehr‘, ‚JobTicket‘ und weitere.
Einen breiten Raum in seiner Tätigkeit nahmen Vorträge im In- und Ausland zu den vielfältigen Themen des Verkehrsbereichs ein. Beispiele hierzu sind: ‚Der Verkehr der Zukunft in der Region‘, ‚Bürgerbusse – Die Zukunft des ÖV in der Fläche?‘, ‚BürgerBus-Systeme in Deutschland‘, ‚ Differenzierte Bedienungsformen im ländlichen Raum‘ und weitere Vorträge beim BMVBS, der Universität Braunschweig, dem Luxemburger Klimabündnis, dem EU-VIRGIL–Rural-Transport-2000 Manchester University, der TU-Berlin, dem Common Purpose Thüringen usw.
Besonders gerne erinnert sich Achim Walder an die Exkusionen von VCD und der Kreis-VHS Siegen-Wittgenstein nach Duisburg mit Rheinhafen, Frankfurt mit Senkenbergmuseum, Aachen, Xanten mit Römermuseum. An der 7-tägigen VCD Gruppenreise GlacierExpress und Rhätische Bahn nahmen auch viele Siegerländer teil.
Höhepunkt und Würdigung fand Achims ehrenamtlicher Einsatz in der Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland im Dezember 2014.
Sein besonderer Dank gilt seiner Ehefrau Ingrid. Sie hat es überhaupt erst ermöglicht, die ehrenamtlichen Aktivitäten mit viel Zeitaufwand in den letzten 40 Jahren zu verfolgen.