Bund Umwelt Natur – Siegen

BUND 1993 bis heute

Verkehr ohne Auswirkungen auf Natur und Umwelt ist nicht möglich. Vor diesem Hintergrund verlangen Planungen und Baumaßnahmen gute Kenntnisse über die Zusammenhänge. Aus meiner Sicht werden diese in vielen politischen Gremien nicht genug berücksichtigt. Durch das Mitwirkungsrecht bei Verkehrsmaßnahmen und Bauprojekten konnte ich einige Projekte in der Facharbeit begleiten. Im BUND-NRW Ak-Verkehr unter Leitung von Prof. Dr. Haubold und Dr. Werner Reh konnten viele Themen bearbeitet werden.

In der Kreisgruppe war ich mehrere Jahre einer der drei Sprecher und habe verschiedene Projekte und Aktionen im AK-Verkehr und Umwelt durchgeführt.
Nach vergeblichen Versuchen der BUND-Kreisgruppe, bereits 1993 einen Fahrgastbeirat für die Region Südwestfalen (Kreis Siegen-Wittgenstein und Kreis Olpe) einzurichten,  gründeten wir die Interessenvertretung der Bus- und Bahnbenutzer in der Region Siegerland-Wittgenstein. An den Versammlungen nahmen neben Kreistagspolitikern auch Dr. Heinz Schaldach von den Verkehrsbetrieben Westfalen-Süd (VWS-Vorstand), Günter Padt von der Deutschen Bundesbahn, Günter Schneider (Geschäftsführer Westfalenbus), Achim Walder (BUND), der auch den Vorsitz übernahm, Günter Linde (Arbeitskreis Schienenverkehr), Anton Werner (VCD), Thomas Reincke (VCD), Christian Wachs (später Vorsitzender Pro Johannlandbahn), Herr Werner Sasse (Aussichtsrat VWS), Dr. Reinhold Schulze (F.D.P.), Ingo Müller-Kurz (ADFC), Jürgen Weiskirch (ÖTV), Willi Brase (DGB), Ines Schulte-Wilde (BUND), Herrn Schridde (Einzelhandelsverband), wechsende Politiker aus Stadt- und Kreisparlament und auch Bus- und Bahnfahrgäste teil. Es wurden Problembereiche wie Fahrpläne, Anschlusszeiten, Fahrpreise, Verbundfahrkarten usw. regelmäßig erörtert.
Ergebnisse der Arbeit waren nach der Einführung des Semestertickets die Befragung zum Jobticket in verschiedenen Unternehmen wie Sparkasse, Kreis- und Stadtverwaltung, UNI-Siegen durch den BUND und dem Büro für Verkehrsplanung und Stadtentwicklung. Leider konnten VWS/VGWS und Deutsche Bahn kein entsprechend attraktives Angebot wie die Verkehrsverbünde VRS und VRR unterbreiten. Einige Jobtickets konnten dennoch an Arbeitnehmer verkauft werden.
1994 wertete der Arbeitskreis die öffentliche Umfrage der F.D.P. initiiert von Dr. Reinhold Schulze zum Autoverkehr und zu Parkplätzen in der Siegener Innenstadt aus, die ähnliche Ergebnisse lieferte, wie die im Arbeitskreis besprochenen Probleme bereits aufgezeigt hatten. Weder Stadt noch Kreis hatten ein Konzept für einen guten Pendlerverkehr. Fehlende Radwege und Abstellanlagen. – Bereitere Straße und noch mehr Parkplätze konnten keine Lösung sein. Der ÖPNV war in der Region nicht auf dem Stand der Zeit.
Eine BUND-Postkartenaktion, verteilt am Bahnhof unter Bahn und Busbenutzern mit 5000 zurückgesendeten beantworteten Fragen zu den täglichen Problemen und Ärgernissen, wurde in einer Dokumentation ausgewertet. Die daraus resultierenden Forderungen waren z.B. Verbundfahrkarten, Netzkarten, Buslinien in den Wohngebieten und in den Abendstunden. Die Antworten der Verkehrsunternehmen beschränkten sich auf den Hinweis, dass nur ein Bedarfsverkehr gefahren werde, wenn mindestens 15 Fahrgäste fahren wollen. Ein Angebotsverkehr ließe sich nicht bezahlen. Netzkarten führten zu Einnahmenverlusten durch Durchtarifierung.
Die mangelnde Sachkenntnis der Politiker im VWS-Aufsichtsrat war erschreckend. Ein anwesendes Aufsichtsratsmitglied äußerte noch, dass jeder jährlich das VGWS-Fahrplanbuch bekäme, dieses jedoch gleich im Altpapier entsorge. Eine BUND-Forderung an den VWS-Aufsichtsrat war deshalb: Jedes Mitglied im VWS-Aufsichtsrat hätte pro Jahr eine Busbenutzung von 500km nachzuweisen.
Abschließend kann auf einige Erfolge wie Linien- und Fahrplanänderungen, der Einführung des Jobtickets im Kreis Siegen Wittgenstein und Kreis Olpe zurückgeblickt werden. Die Einrichtung eines Fahrgastbeirats bei den Verkehrsunternehmen und eine Verbundfahrkarte konnten nicht verwirklicht werden. Leider gelang es auch 1995 nicht, diese Interessenvertretung in einen ÖPNV-Fahrgastbeirat umzuwandeln.
Der BUND Arbeitskreis Verkehr unterstützte die Gründung der Bürgerinitiative Pro Johannlandbahn, die sich seit 1999 für den Erhalt der Bahnstrecke Siegen-Weidenau – Netphen – Deuz – Werthenbach einsetzte. Diese Bahnstrecke, auf der bis 1970 die Züge und später Triebwagen die Pendler aus dem Johannland nach Siegen beförderten, war nach der Einstellung des Personenverkehrs von der Gesamtstilllegung bedroht. Untersuchungen zu Kosten/Nutzen zeigten auf, dass die Reaktivierung des Personenverkehrs eine sinnvolle Ergänzung in einem Nahverkehrskonzept für die Stadt Netphen darstellen würde. Das Land Nordrhein-Westfalen stellte dafür 35 Millionen DM im vordringlichen Bedarf des ÖPNV-Bedarfsplans ein. Das von der Bürgerinitiative Pro Johannlandbahn entwickelte Konzept sah die Verknüpfung von Bahn und Bus vor wie bei vielen reaktivierten Bahnstrecken in Deutschland. Das Verkehrsunternehmen VWS und die CDU Netphen lehnten jedoch eine Reaktivierung des Personenverkehrs ab aus Konkurrenzgründen zwischen Straße und Schiene. Die Bürgerinitiative organisierte daraufhin mehrere Sonderfahrten zwischen Weidenau und Werthenbach mit großer Teilnahme der Bevölkerung in den Triebwagen. Leider fehlte 2005 vielen Kreistagspolitikern und den Politikern der Stadt Netphen der Weitblick in die Zukunft und der Einblick in die täglichen Probleme der Pendler und Anwohner in den Ortsteilen entlang der B62, um das Projekt umzusetzen. Heute leben die Anwohner in diesen Ortsteilen mit der ständig weiteren Zunahme des Straßenverkehrs. Der Busverkehr, der heute allein zur Verfügung steht, ist langsamer und in den Spitzenzeiten ständig überlastet. Der BUND würdigte die Mitglieder der Bürgerinitiative Pro Johannlandbahn mit der BUND-Umwelturkunde.
Fazit: Leider war der Erfolg unserer Arbeit nicht so groß wie erwartet. Eine grundlegende politische Meinung war: Wir bauen doch die HTS mit vier Fahrspuren und in der Stadt haben wir auf der B54 vier Spuren, da stören die Busse. Es soll sogar die Idee in den 70er Jahren bestanden haben, Siegen noch autogerechter zu gestalten. Thomas Reinke hat viele dumme Sprüche der Politik gesammelt.

Für die gute Zusammenarbeit und vielen Anregungen möchte ich mich bei allen BUND-Mitgliedern sowie Ingo Müller-Kurz (ADFC), Anton Werner (VCD), Ines Schulte-Wilde (BUND), Günter Linde (Arbeitskreis Schienenverkehr) und Dr. Werner Reh (BUND) bedanken.

Seit 1993 ist der BUND Siegen mit einer eigenen Homepage im WWW vertreten. Die ich eingericht habe und bis heute betreue.


Nach 1999 wurden noch verschiedene Projekte und Aktionen durchgeführt.

Wegeverbindung Billweg am Bahnhof Siegen-Weidenau – 14-06-2013
Die Wegeverbindung Billweg zwischen dem Giersberg und dem Bahnhof Weidenau wird zur Zeit von betroffenen Anwohnern im Umfeld und der Politik diskutiert. Der Verkehrsclub VCD und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Siegen meinen: Ein Durchgang muss erhalten bleiben! Für Fußgänger und Radfahrer ist der Billweg eine wichtige Wegeverbindung. Diese dient der Anbindung des Weidenauer Bahnhofs und des Einkaufszentrums an die Wohngebiete am Giersberg und dahinter. Mit einem Erhalt  dieser  Fußgänger- und Radwegverbindung durch eine Teileinziehung ergäben sich für alle Beteiligten Verbesserungen, auch für die Industrie. Eine vollständige Sperrung zwingt Radfahrer und Fußgänger zu einem Umweg über die Siegtalstraße und der Straße ‚Auf den Hütten‘. Eine Wegeinziehungen wird seitens von Politik und Verwaltung zu oft zulasten der Bürger durchgeführt, wie in auch angrenzenden Kommunen beobachtet werden konnte. Dabei dienen kurze Wege der Verkehrsentlastung, da so mancher Bürger sein Auto stehen lassen kann. Dies sollte auch im Sinne einer Klimakommune sein, die sich um die Reduzierung von Abgas-u. Feinstaubbelastung in den Innenbezirken bemüht.

Aktionsbündnis Bahnhof Siegen
Zu einem Aktionsbündnis Bahnhof Siegen haben sich jetzt unter der Federführung des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) interessierte Bürger und Verbände zusammengeschlossen. Als erste Maßnahme sollen an allen vier Adventssamstagen vor Weihnachten in der Bahnhofstraße Unterschriften für eine geänderte Variante der vorgestellten Pläne des Investors gesammelt werden, die bei Erfolg in ein Bürgerbegehren münden sollen. Den Akteuren geht es dabei um ein größeres Mitspracherecht in Bezug auf Außengestaltung und Funktion eines öffentlichen Bahnhofs, der den heutigen Erfordernissen gerecht wird. Bessere Zugänglichkeit und Behindertenfreundlichkeit, Aufenthaltsräume, Infopunkte, attraktive Außengestaltung, auch unter Berücksichtigung der Historie und die Verwirklichung zeitgemäßer ökologischer Kriterien sind nur einige Punkte. Nach dem großen Erfolg der Unterschriftenaktion zog der Investor seine Bauabsichten zurück.